Marktbericht im Vorsommer


Zur aktuellen Situation im Raufuttermarkt und Bekanntgabe der Richtpreise

Der Vorstand des Schweizer Raufutterverbandes (SRV) traf sich am 3. Juni 2026, um die aktuelle Situation im Raufuttermarkt zu beurteilen und die Richtpreise für Heu und Stroh festzulegen.

Marktsituation und Erntelage

Die Lagerbestände an Heu aus dem Vorjahr sind grösstenteils ausgeladen. In vielen Regionen stehen nur noch geringe Restmengen zur Verfügung. Bereits wurde in den frühen Regionen der Schweiz der 1. Schnitt eingebracht. Die Qualität ist im Allgemeinen als gut bis sehr gut einzustufen, die Mengen liegen jedoch etwas unter dem langjährigen Durchschnitt.

Der Frühling 2026 war vielerorts eher zu trocken. In einigen Landesteilen liess der Regen deutlich länger auf sich warten. Auch in den nahegelegenen ausländischen Produktionsgebieten (insbesondere im benachbarten Deutschland) waren die Bedingungen ähnlich trocken, weshalb dort ebenfalls mit unterdurchschnittlichen Heuerträgen gerechnet werden muss. Der kommende Regen kann hier noch etwas Entspannung bringen.

Angebot und Nachfrage

  • Heu:
    • Das Angebot aus der Ernte 2025 ist mehrheitlich aufgebraucht. Der 1. Schnitt aus der laufenden Ernte ist mengenmässig etwas unterdurchschnittlich, bei guter bis sehr guter Qualität.
    • Es ist noch früh im Erntejahr. Die kommenden Schnitte sowie das Gedeihen weiterer Futterpflanzen wie Mais / Futterkartoffeln oder Futterrüben, etc. werden über Angebot und Nachfrage im Futtermarkt entscheiden.
    • Die Nachfrage ist Jahreszeit bedingt verhalten. Hier kann die Trockenheit aber schnell zu einer erhöhten Bestellung führen.
  • Stroh:
    • Die Lagerbestände aus der Ernte 2025 sind grösstenteils abgebaut. Stroh wird derzeit nur bei dringendem Bedarf bestellt. Der Markt wartet nun auf die neue Ernte.
    • Generell haben verarbeitete Einstreuprodukte wie Häckselstroh oder Pellets zugenommen.
    • Die Entwicklung der Strohversorgung hängt stark von der diesjährigen Getreideernte bzw. Strohernte ab. Aufgrund der bisherigen Witterung zeichnet sich eine normale bis leicht unterdurchschnittliche Strohernte ab.
    • Die Nachfrage seitens der Tierhalter ist saisonüblich, mit einem erwarteten Anziehen im Spätsommer und Herbst.
  • Importe:
    • Die Importmengen an Heu werden aufgrund der unterdurchschnittlichen Erntemengen etwas gesuchter sein. Die Witterungsverhältnisse der kommenden Wochen werden hier die Qualität bestimmen.
    • Luzerne kann bereits im Vorverkauf reserviert werden und kommt nach wie vor günstig auf den Markt.
    • Diesel-Dünger und Garnkosten werden einen Einfluss auf die Einkaufspreise haben.

Richtpreise des SRV (Ernte 2026)

Auf Basis der aktuellen Marktsituation, der bisherigen Ertragslage und der Erwartungen für die weitere Vegetationsperiode legt der SRV für die Ernte 2026 folgende Richtpreise ab Hof verladen, bei normaler Qualität fest:

  • Heu
    • Heu belüftet in Klein oder Grossballen, Fr. 30-33.-/ 100 kg
    • Heu feldgepresst in Kleinballen, Fr. 22-25.-/ 100 kg
    • Heu feldgepresst in Grossballen, Fr. 19-21.-/ 100 kg
  • Stroh
    • Stroh in Kleinballen, Fr. 20.-/ 100 kg
    • Stroh in Grossballen, Fr. 16.-/ 100 kg
    • Stroh ab Schwad, Fr. 6.-/ 100 kg

Die Richtpreise verstehen sich als Orientierungsgrössen für Produzenten, Händler und Abnehmer. Regionale Unterschiede in Ertrag, Qualität, Transportdistanzen und Angebot/Nachfrage können Zu- oder Abschläge gegenüber den Richtpreisen rechtfertigen.

Einschätzung und Empfehlungen des SRV

  • Aufgrund der knapperen Heumengen im 1. Schnitt und der unsicheren Witterung für die weitere Saison ist von einem festen Preisniveau für Heu auszugehen.
  • Betriebe mit Möglichkeit zur Vorratsbildung werden angehalten, die Planung der Winterfütterung frühzeitig vorzunehmen und rechtzeitig Mengen zu sichern.
  • Verkäufer sollen Qualität transparent deklarieren (TS-Gehalt, Verunreinigungen, Faserstruktur), um faire Preisfindung und langfristige Geschäftsbeziehungen zu unterstützen.
  • Der SRV empfiehlt, langfristige Partnerschaften zwischen Produzenten, Handel und Abnehmern zu pflegen, um Versorgungssicherheit und Planbarkeit zu erhöhen.

Für den Bericht

Toni Herger
Vize-Präsident und Sekretär

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