Raufutter Situation im August 2026

in der Schweiz und den umliegenden Ländern

Ausgangslage in der Schweiz

Die Raufutter Situation in der Schweiz hat sich in den vergangenen Wochen deutlich zugespitzt. Nach einem guten ersten und zweiten Schnitt, hat das Wachstum vielerorts praktisch vollständig aufgehört. Die anhaltende Trockenheit, und die fehlenden Niederschläge führen dazu, dass kaum noch nennenswerte Mengen an Raufutter nachwachsen.

Das Rindvieh wird seit mehreren Wochen zunehmend aus den vorhandenen Vorräten gefüttert. Gleichzeitig zeichnet sich die Tendenz zu früheren Alpabfahrten ab. Damit steigt der Bedarf an Winterfutter bereits jetzt deutlich an.
Die Nachfrage nach Raufutter ist enorm hoch. Die vorhandenen Schweizer Vorräte reichen vielerorts nicht aus, um den zusätzlichen Bedarf bis ins Frühjahr zu decken. Die Landwirte müssen deshalb die Winterfütterung bereits heute sorgfältig planen.

Situation in den umliegenden Ländern

Auch in den wichtigsten Herkunftsländern für Raufutter ist die Situation angespannt.

Süddeutschland:
Im Süden Deutschlands stehen teilweise nur 30 bis 50 Prozent der normalen Erträge zur Verfügung. Aufgrund der starken Nachfrage und der bereits laufenden Beschaffung ist davon auszugehen, dass für die Schweiz in diesem Jahr nur rund 30 Prozent der Mengen verfügbar sein werden, die in normalen Jahren importiert werden können.

Norddeutschland:
Die Ertragssituation ist etwas besser. Allerdings liegen die verfügbaren Mengen weit entfernt von der Schweiz. Die langen Transportdistanzen erhöhen die Kosten erheblich und begrenzen gleichzeitig die verfügbaren Transportkapazitäten.

Frankreich:
Der erste und zweite Schnitt in der Luzerne- Produktion war gut. Danach haben sich die Erträge jedoch deutlich verschlechtert. Die bis ca. 20 Juni abgeschlossenen Kontrakte werden zwar weiterhin erfüllt und geliefert, neue Verkäufe sind aber kaum mehr möglich. Der Markt ist damit weitgehend ausverkauft.

Italien:
Italien verfügt aktuell über vergleichsweise gute Mengen an Luzerne und Raygrassheu. Entsprechend konzentriert sich die Nachfrage stark auf diesen Markt. In den vergangenen drei Wochen wurde Italien von den Abnehmern praktisch leergekauft. Die Lieferungen in die Schweiz dauern an, gleichzeitig sind die vorhandenen Transportkapazitäten am Anschlag.

Beschaffung und Logistik

Die Händler:innen arbeiten derzeit mit Hochdruck daran, zusätzliches Raufutter für die Schweizer Tierhalter:innen zu beschaffen. Nachdem die naheliegenden Beschaffungsmärkte zunehmend ausgeschöpft sind, konzentriert sich der Handel verstärkt auf weiter entfernte Länder.

Diese Entwicklung hat direkte Auswirkungen auf die Preise. Die längeren Transportwege und die knappen Transportkapazitäten verteuern das Futter zunehmend. Gleichzeitig verlängern sich die Lieferfristen.

Die Logistik ist aktuell am Anschlag. Auch wenn Futter beschafft werden kann, bedeutet dies deshalb nicht automatisch, dass es kurzfristig in der Schweiz verfügbar ist. Die Handelsfirmen setzen alles daran, die Lieferketten aufrechtzuerhalten und zusätzliche Mengen zu organisieren.

Preisentwicklung

Die Preise für Raufutter sind aufgrund der ausserordentlichen Marktsituation stark angestiegen. Gegenüber normalen Jahren ist aktuell mit Preissteigerungen von rund 30 bis 40 Prozent zu rechnen.

Dabei ist nicht nur die Verfügbarkeit des Futters ausschlaggebend. Auch die zunehmenden Transportdistanzen, die knappen Kapazitäten und die längeren Lieferzeiten wirken sich direkt auf die Kosten aus.

Konsequenzen für die Schweizer Tierhalter

Die Landwirte müssen die Winterfütterung jetzt planen und dürfen mit der Beschaffung nicht zuwarten. Frühzeitige Bestellungen erhöhen die Chance, benötigte Mengen rechtzeitig zu erhalten.

Gleichzeitig müssen alternative Fütterungsstrategien geprüft werden. Dazu gehören insbesondere:

  1. eine Anpassung der Rationen;
  2. der gezielte Einsatz von qualitativ gutem Stroh;
  3. ein höherer Einsatz von Kraftfutter, wo dies fachlich und wirtschaftlich sinnvoll ist;
  4. eine frühzeitige Planung der verfügbaren Futtervorräte;
  5. eine realistische Beurteilung der Anzahl Tiere, die mit den vorhandenen Futtermengen über den Winter gebracht werden können.

Stroh ist derzeit in guter Qualität verfügbar und kann einen wichtigen Beitrag zur Entlastung der Raufutterversorgung leisten.

Trotz dieser Massnahmen wird es nach heutiger Einschätzung in vielen Betrieben kaum möglich sein, die bestehenden Rindviehbestände mit den verfügbaren Futterressourcen vollständig durch den Winter zu bringen. Eine Reduktion der Rindviehbestände um rund 15 bis 20 Prozent könnte deshalb notwendig werden, um die verbleibenden Tiere ausreichend zu versorgen.

Die Landwirtschaft braucht jetzt eine Perspektive

Die aktuelle Raufutterknappheit ist für die Schweizer Landwirtschaft eine enorme Belastung. Die Landwirte haben nicht nur mit höheren Futterkosten zu kämpfen, sondern gleichzeitig mit steigenden Produktionskosten und einer unsicheren wirtschaftlichen Perspektive.

Es braucht deshalb jetzt eine Reaktion des gesamten Marktes. Die zusätzlichen Kosten und die ausserordentlichen Belastungen dürfen nicht allein von den Produzenten getragen werden.

Der Vorbezug von Direktzahlungen kann kurzfristig helfen, reicht aber alleine nicht aus. Die Landwirte brauchen zusätzliche Einnahmen und vor allem eine Perspektive, wie sie die kommenden Monate wirtschaftlich bewältigen können.

Hier sind auch die Abnehmer:innen und Grosshändler:innen von landwirtschaftlichen Produkten gefordert. In dieser ausserordentlichen Situation braucht es Fairness entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die Schweizer Tierhalter:innen müssen in die Lage versetzt werden, die höheren Kosten zumindest teilweise über den Markt zu kompensieren.

Fazit

Die Raufuttersituation in der Schweiz und in den wichtigsten umliegenden Beschaffungsmärkten ist angespannt und dürfte sich in den kommenden Monaten weiter verschärfen.

Die Händler:innen beschaffen mit Hochdruck zusätzliche Mengen und suchen laufend nach neuen Herkunftsländern. Die knappe Verfügbarkeit, die enorme Nachfrage und die angespannte Logistik führen jedoch zu deutlich höheren Preisen und längeren Lieferfristen.

Die Winterfütterung muss jetzt geplant werden.

Angepasste Rationen, ein höherer Kraftfuttereinsatz in Zusammenhang mit Stroh in der Fütterung und eine Reduktion der Tierbestände müssen geprüft werden.

Die Branche steht vor einer ausserordentlichen Herausforderung. Die Händler leisten derzeit einen grossen Beitrag zur Sicherstellung der Versorgung. Gleichzeitig braucht es nun auch von Seiten der Abnehmer und Grosshändler ein klares Zeichen.

Die Landwirte brauchen nicht nur Futter, sondern auch eine wirtschaftliche Perspektive.

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